Junge Imker
Mit der Bienenzucht beschäftigen sich Menschen von unterschiedlichstem Alter und Beruf. Der Großteil sind Liebhaber mit einer kleineren Zahl an Bienenstöcken und die Bienenzucht stellt für sie eine Art der Freizeitverbringung dar. Bei ihren geflügelten Freundinnen lernen sie Überlegungen anzustellen und zu beobachten, sie freuen sich mit ihnen an der reichen Honigernte, mit ihnen teilen sie die Trauer, wenn im Bienenstand eine Krankheit in Erscheinung tritt. Gerade wegen der Krankheit, insbesondere der Varose, die unbesiegbar erscheint, sinkt bei den jungen Leuten das Interesse an der Bienenzucht. Die alten Imker sterben und es gibt nicht genügend Junge, um die Lücken in den Bienenzüchtervereinen zu füllen. Diese Erscheinung ist für alle Länder des Alten Kontinents charakteristisch.
In Slowenien versuchen wir die Imkerreihen durch die Bildung von schülerischen Imker-Arbeitsgemeinschaften zu verjüngen, in denen die Schüler im Rahmen von freiwilligen Aktivitäten auch über die Bienenzucht unterrichtet werden. Wenn von zehn Schülern, die während dem Schuljahr den theoretischen und praktischen Unterricht in Bienenzucht besuchen, nach abgeschlossener Grundschule zumindest zwei Imker werden, hat die Arbeitsgemeinschaft ihren Zweck erfüllt. Für all diejenigen Schüler an Grund- und Mittelschulen, an denen keine Imker-Arbeitsgemeinschaften tätig sind, ist es jedoch in Absprache mit dem Slowenischen Bienenzüchterverband und dem Imkerberatungsdienst möglich, im Slowenischen Imkerzentrum in Brdo bei Lukovica Imkerlager zu organisieren.
Sie richten sich an Kinder mit Vorkenntnissen in der Bienenzucht, und auch diejenigen, die dieses Wissen noch nicht haben und sich für die Bienenzucht interessieren. Die Teilnehmer des Lagers sehen sich eine Multivisionspräsentation von Herrn Franc Šivic an und werden auf diese Weise kurz über die Geschichte der slowenischen Bienenzucht informiert, lernen anschließend jedoch bei verschiedenen Tätigkeiten die Verrichtungen in der Bienenzucht kennen. Unter der Leitung eines Imkermentors und seines Assistenten lernen die Kinder das Bienenvolk und die Grundlagen der Bienenzucht kennen, machen die Bienenkönigin im Bienenstock ausfindig, sehen sich die Brut und die Honig- und Blütenstaubvorräte an. Darüber hinaus beobachten sie auch die Bienen im Beobachtungsstock durch das Glas, der die Verfolgung der Entwicklung und des Verhaltens der Bienen ermöglicht. Während dem Gespräch mit dem Imker werden die Kinder über die Gesetzmäßigkeit des Bienenvolkes informiert, lernen die Gefahren kennen, denen sie bei der Arbeit mit Bienen ausgesetzt sind, lernen wie man sich vor Bienenstichen schützen muss, lernen eine etwaige Beschädigung zu sanieren und werden auch über die Bedeutung der Bienen für die Landwirtschaft unterrichtet. Zum Schluss entnehmen sie gemeinsam mit dem Imker eine Bienenwabe aus dem Bienenstock, von der sie später den Honig ablaufen lassen. Sie werden auch über die Gewinnung von Propolis und Blütenstaub informiert. Im Labor sehen sie sich unter dem Vergrößerungsglas die Hauptmerkmale der Krainer Biene an: sie lernen den Kopf, die Zunge und die Füße kennen, die an das Sammeln von Blütenstaub angepasst sind. Die Mentoren führen auch einen einfachen Test durch, durch welchen sie den Kindern zeigen, wie die Bienen die Zuckerlösung saugen. Da jedoch das Labor für die Überwachung der Honigqualität bestimmt ist, messen die Teilnehmer mit einem Refraktometer den Wassergehalt im Honig und sehen sich unter dem Mikroskop ein Klümpchen Blütenstaub an.
Auf diese Weise können sie bildhaft sehen, dass jede Pflanze völlig verschieden geformte Pollen hat, was uns jedoch bei der Bestimmung der Honigsorte hilft. Parallel finden kreative Workshops statt, in dessen Rahmen sich jedes Kind eine eigene Kerze machen oder ein Bienenstockstirnbrett zeichnen kann. Am Ende des Lagers bereiten wir noch ein kürzeres Quiz mit ein paar Fragen vor (1-2 aus jedem Rahmenbereich). Der Bienenzüchterverband organisiert für Kindergärten und Schulen auch naturwissenschaftliche Tage, deren Programm an das Alter der Kinder angepasst ist. Auf Grundlage der praktischen Darstellungen und der aktiven Mitarbeit werden die Kinder über die Bienenzucht und das Leben der Biene informiert, lernen jedoch auch die Bedeutung des Natur- und Kulturerbes kennen. Von alldem sind die Kinder am meisten vom Besuch des Bienenstandes, von der Entdeckelung des Honigs und der Herstellung von Kerzen begeistert, ansonsten können sie jedoch meist überhaupt nicht sagen, was ihnen von allem am meisten gefällt. Wir haben auch unsere Jüngsten in den Kindergärten nicht vergessen, da wir gerade für sie ein besonderes Programm mit der Überschrift „Die Biene unsere Lehrerin“ vorbereitet haben. Dieses hat die Heilpädagogin Frau Anica Košir Kropivšek, stellvertretende Kindergärtnerin und Imkerin, geschrieben, die 22 Jahre Erfahrungen im pädagogischen Bereich und 10 Jahre im Bereich der Bienenhaltung hat. Sie brachte diesen Bereich erfolgreich in ihre pädagogische Arbeit ein und lernte über diesen die Reaktionsweisen der Kinder kennen. Das Programm dauert mindestens drei Tage, jedoch ist es derart geschrieben, dass die Kindergärtnerinnen allein, ohne die Hilfe eines Imkers, über längere Zeit ein Thema bearbeiten können. Das Programm enthält eine kurze Computerpräsentation der Bienenzucht in Wort und Bild, den Besuch eines Imkers sowie die Schaffung und Entwicklung eines bestimmten Themas zur Bienenzucht, jedoch auch die Vorbereitung der Ausstellung von Kinderprodukten zu diesem Thema. Die Ausstellung sehen sich auch Kinder aus anderen Gruppen und die Eltern an.
Die Kinder haben unter Beweis gestellt, dass sie außerordentlich aufgeweckt sind und die Bienen nicht nur als Insekt sehen, das sticht und dadurch Schmerzen verursacht. Sie lernen die Biene auf eine etwas andere Weise, mit völlig anderen Augen kennen, und stellen sie auf diese Weise auch ihren Kindergärtnerinnen und Eltern vor. Im Programm werden zahlreiche mit der Bienenhaltung verbundene Tätigkeiten angeführt, die den Kindergärtnerinnen unbegrenzte Möglichkeiten bieten und ihnen bei der Wahl der Materialen und Formen für dessen Durchführung freie Hand lassen. Alle Feststellungen, die wir in dieser Broschüre angeführt haben, bestätigten, dass wir Slowenen wirklich ein richtiges Imkervolk sind. Dies gestehen uns alle zu, die uns besuchen und kennenlernen. Sie sind uns jedoch auch für unsere Freundlichkeit und Gastfreundschaft dankbar, wenn wir sie in unseren Heimen empfangen, abgesehen davon, ob es sich um in- oder ausländische Besucher handelt. Und dabei zeigt sich der echte Wert der Devise, die wir anfangs erwähnt haben, nämlich, dass wir Menschen der Tourismus sind. Interessant sind die Feststellungen einer soziologischen Studie, die unter unseren Mitgliedern durchgeführt wurde. Auf diese Weise haben wir festgestellt, dass Kinder aus Imkerfamilien, die finanziell meist gut versorgt sind, einen überdurchschnittlichen schulischen Erfolg erzielen und dass sie später, nach abgeschlossenem Studium, oft bedeutende Stellungen in der Politik, Wirtschaft und Kultur besetzen.
Obwohl viele nicht dem Vorbild ihrer Väter gefolgt sind und sich nicht mit Bienen beschäftigen, geben sie zu, dass die Eltern für
sie die größten Vorbilder waren, bei denen sie Durchhaltevermögen, Bescheidenheit, Leistungsbereitschaft sowie die Liebe zur Natur und Heimat gelernt haben. All dies beweist, dass die Bienenzucht in Slowenien nicht nur eine Honiggewinnung, sondern viel mehr ist. Sie ist eine Lebensweise.




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